Neurodermitis – kosmetische Begleitung zwischen Hautbarriere, Mikrobiom und Entzündungsbereitschaft
Neurodermitis, medizinisch atopische Dermatitis, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die typischerweise in unterschiedlichen Phasen verläuft. Zeiten nahezu symptomfreier Haut können sich mit Phasen deutlich erhöhter Entzündungsaktivität abwechseln.
Für die kosmetische Begleitung ist diese Unterscheidung entscheidend.
Eine Haut im akuten Neurodermitis-Schub benötigt eine vollkommen andere Strategie als eine Haut in der schubfreien beziehungsweise stabilen Phase.
Das zentrale Ziel sollte deshalb nicht darin bestehen, möglichst viele Wirkstoffe oder Behandlungstechniken einzusetzen. Vielmehr muss zunächst beurteilt werden:
Was benötigt die Haut in ihrem aktuellen Zustand – und was sollte man ihr gerade besser nicht zumuten?
Eine sorgfältige, dermazeutisch orientierte Hautpflege kann insbesondere zwischen den akuten Schüben dazu beitragen, die Hautbarriere zu unterstützen, Feuchtigkeit und Lipidversorgung zu verbessern und unnötige Irritationen zu vermeiden.
Dabei gibt es jedoch eine klare Grenze zwischen Kosmetik und Medizin.
Wichtig: Neurodermitis gehört zunächst in ärztliche Hände
Neurodermitis ist eine Erkrankung.
Als Kosmetiker stelle ich deshalb keine medizinische Diagnose und behandle Neurodermitis nicht als Erkrankung.
Wenn der Verdacht auf eine Neurodermitis besteht oder entsprechende Hautveränderungen bislang nicht medizinisch abgeklärt wurden, empfehle ich zunächst die Vorstellung bei einer Ärztin oder einem Arzt – vorzugsweise in einer dermatologischen Praxis.
Für eine gezielte kosmetische Begleitung bei WUNDERBAREHAUT.DE sollte eine entsprechende ärztliche beziehungsweise dermatologische Diagnose bereits vorliegen.
Das ist für mich ein wichtiger Bestandteil einer verantwortungsvollen Zusammenarbeit.
Medizinische Therapie und kosmetische Begleitung haben unterschiedliche Aufgaben
Die Behandlung eines akuten Neurodermitis-Schubes, die Verordnung von Medikamenten und die medizinische Kontrolle der Erkrankung gehören in die Hände der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes.
Ich:
- diagnostiziere keine Neurodermitis,
- verordne keine Medikamente,
- verändere keine ärztlich verordnete Therapie,
- empfehle niemals das eigenmächtige Absetzen einer ärztlich verordneten Behandlung und
- verspreche keine Heilung oder medizinische Behandlung der Erkrankung.
Meine Aufgabe liegt in einem anderen Bereich:
Ich kann neurodermitische beziehungsweise atopische Haut kosmetisch begleiten – insbesondere während stabiler und schubfreier Phasen.
Wenn es sinnvoll oder erforderlich ist, kann diese kosmetische Begleitung auch in Abstimmung mit dem behandelnden Dermatologen erfolgen.
Was kann Wolfgang Ratschmeier bei Neurodermitis anbieten?
Meine Arbeit konzentriert sich insbesondere auf die kosmetische Unterstützung einer möglichst stabilen Hautbarriere.
Dabei können beispielsweise folgende Bereiche betrachtet werden:
- Hautfeuchtigkeit,
- Trockenheit,
- Lipidversorgung,
- Hautoberflächenstruktur,
- Schuppung,
- Rötungen,
- Hautempfindlichkeit,
- Haut-pH-Wert,
- Verträglichkeit der verwendeten Pflege,
- Reinigung,
- mögliche kosmetische Irritationsfaktoren,
- Zusammensetzung und Umfang der täglichen Pflegeroutine.
Gemeinsam kann anschließend eine möglichst übersichtliche und gut verträgliche Pflegeroutine entwickelt werden.
Dabei gilt bei atopischer Haut häufig:
Nicht mehr Produkte – sondern die richtigen Produkte.
und
Nicht maximal behandeln – sondern möglichst intelligent stabilisieren.
Warum ist die Hautbarriere bei Neurodermitis so wichtig?
Die äußerste Schicht unserer Haut bildet eine komplexe Schutzbarriere.
Sie soll unter anderem verhindern, dass übermäßig viel Wasser aus der Haut verloren geht und gleichzeitig dazu beitragen, die Haut gegenüber äußeren Einflüssen zu schützen.
Bei atopischer Dermatitis ist diese Barrierefunktion häufig gestört.
Das erklärt einen großen Teil der typischen Eigenschaften neurodermitischer Haut:
- ausgeprägte Trockenheit,
- Spannungsgefühl,
- Schuppung,
- erhöhte Empfindlichkeit,
- Juckreiz,
- stärkere Reaktionen auf äußere Reize und
- eine erhöhte Entzündungsbereitschaft.
Filaggrin – ein Baustein der Hautbarriere
Eine wichtige Rolle bei der wissenschaftlichen Betrachtung der atopischen Dermatitis spielt Filaggrin.
Filaggrin ist ein Protein, das wesentlich an der Struktur und Funktion der Hornschicht beteiligt ist.
Bei einem Teil der Menschen mit Neurodermitis bestehen genetische Veränderungen des Filaggrin-Stoffwechsels beziehungsweise der Filaggrin-Funktion.
Dadurch kann die natürliche Barrierefunktion beeinträchtigt sein.
Allerdings besitzt keineswegs jeder Neurodermitispatient eine entsprechende genetische Veränderung.
Die Erkrankung ist multifaktoriell.
Das Zusammenspiel von:
- genetischer Veranlagung,
- Hautbarriere,
- Immunsystem,
- Umweltfaktoren,
- Hautmikrobiom und
- individuellen Triggern
ist wesentlich komplexer als eine einzelne Ursache.
Ceramide und Lipide – der „Mörtel“ zwischen den Hautzellen
Die Hornzellen der äußersten Hautschicht kann man sich vereinfacht wie Ziegelsteine vorstellen.
Zwischen diesen Zellen befinden sich Lipide – gewissermaßen der Mörtel zwischen den Ziegelsteinen.
Eine besonders wichtige Lipidgruppe sind die Ceramide.
Ist die Zusammensetzung beziehungsweise Organisation dieser Lipide gestört, kann die Hautbarriere durchlässiger werden.
Dann kann mehr Wasser aus der Haut entweichen.
Dieser Wasserverlust über die Haut wird als transepidermaler Wasserverlust – TEWL bezeichnet.
Deshalb benötigt eine trockene atopische Haut häufig nicht nur Feuchtigkeit.
Sie benötigt ebenso eine geeignete Lipid- und Barrierestrategie.
Das Hautmikrobiom
Unsere Haut ist von einer großen Gemeinschaft unterschiedlicher Mikroorganismen besiedelt.
Dieses komplexe Ökosystem wird als Hautmikrobiom bezeichnet.
Ein stabiles Mikrobiom steht in enger Wechselwirkung mit der Hautbarriere.
Bei Neurodermitis kann sich die Zusammensetzung dieses Mikrobioms verändern.
Eine besondere Rolle spielt in der Forschung das Bakterium Staphylococcus aureus, das atopische Haut teilweise verstärkt besiedeln kann.
Deshalb bedeutet professionelle Pflege einer empfindlichen Haut nicht:
… Möglichst stark reinigen oder desinfizieren!
Denn aggressive Reinigung und übermäßige Entfettung können eine ohnehin beeinträchtigte Barriere zusätzlich belasten.
Stattdessen versuche ich, Hautbarriere und Hautmilieu gemeinsam zu betrachten.
Der pH-Wert der Haut
Auch der leicht saure pH-Wert der Hautoberfläche gehört zum natürlichen Schutzsystem der Haut.
Der Säureschutzmantel beeinflusst unter anderem:
- bestimmte Enzymaktivitäten der Haut,
- die Organisation der Hautbarriere und
- das Milieu für unterschiedliche Mikroorganismen.
Im Rahmen meiner professionellen Hautanalyse kann deshalb auch der pH-Wert direkt auf der Hautoberfläche gemessen werden.
Der Messwert ist jedoch immer nur ein Baustein der Gesamtbeurteilung.
Wichtig:
Ein auffälliger pH-Wert wird bei Neurodermitis nicht einfach durch eine Säurebehandlung „korrigiert“.
Gerade während entzündlicher oder sehr reaktiver Hautzustände können Säuren zusätzliche Reizungen verursachen.
Neurodermitis verläuft in unterschiedlichen Phasen
Für meine kosmetische Arbeit unterscheide ich drei grundsätzliche Situationen:
ROT – akuter Schub
GELB – Abheilung und instabile Hautbarriere
GRÜN – stabile beziehungsweise schubfreie Phase
Diese Einteilung ist keine medizinische Klassifikation und keine Diagnose.
Sie dient ausschließlich dazu, meine kosmetische Vorgehensweise verständlich zu erklären.
ROT – während eines akuten Neurodermitis-Schubes
Ein aktiver Schub kann sich beispielsweise durch folgende bereits ärztlich bekannte beziehungsweise typische Veränderungen zeigen:
- deutliche Rötung,
- ausgeprägten Juckreiz,
- Brennen,
- starke Trockenheit,
- deutliche Schuppung,
- Entzündung,
- aufgekratzte Haut,
- Einrisse,
- nässende Hautstellen oder
- Krusten.
Jetzt steht nicht die kosmetische Behandlung im Vordergrund.
Bei einem deutlichen akuten Schub empfehle ich die ärztliche beziehungsweise dermatologische Betreuung.
Eine laufende ärztlich verordnete Therapie hat Vorrang.
Was mache ich während eines akuten Schubes?
Bei einem ausgeprägten aktiven Schub führe ich keine normale Gesichtsbehandlung der betroffenen Hautareale durch.
Auch wenn bereits ein Termin vereinbart wurde, kann es deshalb vorkommen, dass ich nach Betrachtung des aktuellen Hautzustandes von der vorgesehenen Behandlung abrate.
Das ist kein Behandlungsmisserfolg.
Im Gegenteil:
Bei Neurodermitis kann die professionellste Entscheidung manchmal darin bestehen, bewusst nicht zu behandeln.
Bei Bedarf empfehle ich die erneute Rücksprache mit dem behandelnden Dermatologen.
Keine apparative Stimulation während des akuten Schubes
Während einer akuten entzündlichen Phase verzichte ich insbesondere auf:
- Microneedling,
- Mikrodermabrasion,
- Radiofrequenz,
- galvanische Tiefenreinigung,
- intensive Wirkstoffeinschleusung,
- stimulierende Ultraschallanwendungen,
- intensive Massage,
- Dampf,
- heiße Kompressen und
- intensive Ausreinigung.
Keine Peelings während des akuten Schubes
Ebenso verzichte ich auf:
- Fruchtsäuren,
- AHA,
- BHA,
- intensive PHA-Behandlungen,
- Enzympeelings und
- mechanische Peelings.
Eine sichtbar schuppende neurodermitische Haut muss nicht automatisch „von den Schuppen befreit“ werden.
Schuppung kann vielmehr ein sichtbares Zeichen der gestörten Barriere sein.
Diese zusätzlich abzutragen kann die Haut weiter belasten.
Auch neue Produkte während eines Schubes möglichst vermeiden
Ein akuter Schub ist außerdem kein optimaler Zeitpunkt, um eine große Anzahl neuer Kosmetikprodukte auszuprobieren.
Jedes neue Produkt bringt neue Inhaltsstoffe mit sich.
Deshalb kann es sinnvoll sein, während einer sehr reaktiven Phase bei einer bereits bekannten und ärztlich beziehungsweise individuell bewährten Basisversorgung zu bleiben.
Bei Unsicherheit sollte die Pflege mit der behandelnden dermatologischen Praxis abgestimmt werden.
Wann sollten Sie zeitnah Ihren Arzt kontaktieren?
Besonders wichtig ist die ärztliche Kontrolle beispielsweise bei:
- stark nässenden Hautstellen,
- offenen Hautarealen,
- ausgeprägten Kratzverletzungen,
- gelblichen Krusten,
- Pusteln,
- Schmerzen,
- Verdacht auf eine Infektion,
- rascher Verschlechterung,
- großflächigem Schub,
- Augen- beziehungsweise Augenlidbeteiligung oder
- Hautveränderungen, die anders aussehen als gewöhnlich.
GELB – die Haut beruhigt sich, ist aber noch nicht stabil
Nach einem Schub kann die sichtbare Entzündung bereits deutlich zurückgegangen sein, während die Hautbarriere noch ausgesprochen empfindlich bleibt.
Die Haut kann weiterhin:
- trocken,
- schuppig,
- gespannt,
- leicht gerötet,
- berührungsempfindlich oder
- schnell reizbar
sein.
Diese Übergangsphase sollte nicht unterschätzt werden.
Nur weil die starke Rötung verschwunden ist, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Haut wieder vollständig belastbar ist.
Meine Strategie während der Stabilisierungsphase
Jetzt lautet das Ziel:
beruhigen – hydratisieren – Lipide zuführen – Barriere schützen.
Die Pflegeroutine sollte möglichst einfach bleiben.
Je nach individueller Situation können folgende Maßnahmen sinnvoll sein:
- sehr milde Reinigung,
- zurückhaltende Hydratation,
- bekannte beruhigende Wirkstoffe,
- geeignete Lipidversorgung,
- barrierestabilisierende Pflege und
- konsequentes Vermeiden bekannter Irritationsfaktoren.
Neue Wirkstoffe werden möglichst nicht alle gleichzeitig eingeführt.
GRÜN – außerhalb des Schubes
Die schubfreie Zeit ist für mich kosmetisch die wichtigste Phase.
Denn professionelle Hautpflege sollte nicht erst dann beginnen, wenn die Haut bereits wieder entzündet ist.
Gerade in stabilen Phasen kann kontinuierlich daran gearbeitet werden, möglichst gute Voraussetzungen für die Hautbarriere zu schaffen.
Das Ziel meiner kosmetischen Begleitung lautet:
… die Haut möglichst lange stabil halten.
Was können wir außerhalb eines Schubes tun?
In der stabilen Phase konzentriere ich mich insbesondere auf:
- Verbesserung der Hautfeuchtigkeit,
- ausreichende Lipidversorgung,
- Unterstützung der Hautbarriere,
- Reduktion unnötiger Irritationsfaktoren,
- eine möglichst konstante Heimpflegeroutine,
- mikrobiomorientierte Hautpflege,
- Kontrolle der Hautverträglichkeit und
- regelmäßige Überprüfung des Hautzustandes.
Auch jetzt gilt:
Die kosmetische Arbeit ist eine begleitende und präventiv orientierte Hautpflege und keine medizinische Neurodermitistherapie.
Bei Neurodermitis gilt für mich nicht: Je mehr Behandlung, desto besser.
Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf:
- Beruhigung
- Hydratation
- Lipidversorgung
- Barrierestabilisierung
- Hautbalance
- möglichst geringer Irritation
- Ein möglicher Behandlungsablauf
Der konkrete Ablauf wird jedes Mal dem aktuellen Hautzustand angepasst.
1. Gespräch und Hautkontrolle
Vor jeder Behandlung wird zunächst beurteilt:
- Wie hat sich die Haut seit dem letzten Termin entwickelt?
- Gab es zwischenzeitlich einen Schub?
- Besteht aktuell Juckreiz?
- Sind entzündete Areale vorhanden?
- Wurde die medizinische Therapie verändert?
- Welche Produkte wurden verwendet?
- Gab es neue Unverträglichkeiten?
Erst danach wird entschieden, ob und in welchem Umfang kosmetisch behandelt werden kann.
2. Sehr schonende Reinigung
Die Haut wird so mild wie möglich und nur so intensiv wie nötig gereinigt.
Ziel ist nicht die maximale Entfettung.
Es geht vielmehr darum, die Haut sauber zu bekommen, ohne die ohnehin empfindliche Barriere unnötig zu belasten.
3. Kein obligatorisches Peeling
Bei meinen meisten klassischen Gesichtsbehandlungen kann ein Peeling ein sinnvoller Bestandteil sein.
Bei atopischer Haut gilt das ausdrücklich nicht.
Ein Peeling gehört nicht automatisch zu einer Neurodermitis-Begleitbehandlung.
Bei ausgeprägt trockener oder empfindlicher atopischer Haut kann es sinnvoll sein, vollständig darauf zu verzichten.
4. Beruhigende Wirkstoffversorgung
Bei ausreichend stabiler und geschlossener Haut können individuell ausgewählte beruhigende beziehungsweise feuchtigkeitsspendende Wirkstoffe eingesetzt werden.
Dabei bevorzuge ich übersichtliche Rezepturen und bereits gut verträgliche Produkte.
5. Hydratation
Atopische Haut weist häufig einen ausgeprägten Feuchtigkeitsmangel auf.
Deshalb können beispielsweise geeignete Feuchthaltefaktoren wie Glycerin oder Hyaluronsäure Bestandteil des Pflegekonzeptes sein.
Feuchtigkeit allein reicht jedoch häufig nicht aus.
6. Lipide und Barriere
Gerade bei trockener neurodermitischer Haut muss gleichzeitig die Lipidseite betrachtet werden.
Geeignete:
- Lipide,
- Ceramide,
- rückfettende Bestandteile und
- barrierestabilisierende Pflegekomponenten
können deshalb einen besonders wichtigen Stellenwert besitzen.
7. Sanfte Behandlungstechniken
Auf intensive Massage oder starke mechanische Stimulation verzichte ich.
Die Behandlung soll nicht „etwas mit der Haut machen“, sondern der Haut möglichst gute Bedingungen geben, wieder selbst stabil zu arbeiten.
8. Barrierestabilisierender Abschluss
Am Ende erhält die Haut eine dem aktuellen Feuchtigkeits- und Lipidbedarf entsprechende Abschlusspflege.
Craith Lab Blue Collection – interessant für Hautbarriere und Mikrobiom
Ein Pflegekonzept, das ich insbesondere für stabile empfindliche Haut interessant finde, ist die Blue Collection von Craith Lab.
Craith Lab konzentriert sich bei der Blue Collection auf empfindliche beziehungsweise problematische Haut und stellt dabei insbesondere:
- Hautmikrobiom,
- Hautbarriere,
- Feuchtigkeitsbalance,
- Präbiotika und
- probiotisch orientierte Wirkstoffkonzepte
in den Mittelpunkt.
Für mich ist dieser Ansatz gerade bei empfindlicher und barrieregestörter Haut interessant.
Bedeutet das, dass die gesamte Blue Collection bei Neurodermitis verwendet wird?
Nein.
Und gerade diese Unterscheidung halte ich für wichtig.
Eine Produktserie wird bei mir niemals pauschal angewendet.
Jedes Produkt besitzt eine eigene Rezeptur und eine eigene Aufgabe.
Auch innerhalb der Blue Collection gibt es Produkte, die beispielsweise:
- Säuren,
- exfolierende Komponenten,
- intensiv reinigende Bestandteile oder
- Duftstoffe
enthalten können.
Solche Produkte sind nicht automatisch für jede neurodermitische Haut und erst recht nicht für jede Erkrankungsphase geeignet.
Während eines Schubes keine aktivierenden Blue-Produkte
Während eines akuten Schubes verzichte ich insbesondere auf exfolierende beziehungsweise stärker aktivierende Produkte.
Dazu gehören beispielsweise Produkte wie:
- AHA-haltige Anwendungen,
- Enzympeelings und
- intensiv reinigende Masken.
Die Tatsache, dass ein Produkt zu einer Serie für empfindliche oder problematische Haut gehört, bedeutet nicht automatisch, dass es auf akut entzündeter neurodermitischer Haut eingesetzt werden sollte.
Blue Collection während stabiler Hautphasen
In einer ausreichend stabilen, schubfreien Phase können einzelne ausgewählte Produkte aus der Blue Collection dagegen interessant sein.
Hier stehen für mich insbesondere folgende Gedanken im Mittelpunkt:
Mikrobiomorientierte Pflege
Prä- und probiotisch orientierte Formulierungen können Bestandteil eines modernen Hautpflegekonzeptes sein.
Unterstützung der Hautbalance
Nicht maximale Aktivierung, sondern ein möglichst stabiles Hautmilieu steht im Vordergrund.
Feuchtigkeitsversorgung
Atopische Haut benötigt meist eine konsequente Feuchtigkeitsstrategie.
Barriereschutz
Produkte werden danach ausgewählt, wie gut sie zum tatsächlichen Barrierezustand passen.
Craith Lab und Epigenetik
Craith Lab verbindet seine Hautpflegekonzepte zusätzlich mit dem Bereich der Epigenetik.
Epigenetik beschäftigt sich vereinfacht gesprochen damit, wie Umwelt- und Lebensbedingungen die Regulation unserer Gene beeinflussen können, ohne die eigentliche DNA-Sequenz zu verändern.
Für kosmetische Pflege ist dabei vor allem die Idee interessant, Haut nicht nur oberflächlich zu betrachten, sondern Faktoren wie:
- Umweltstress,
- oxidative Belastungen,
- Barrierefunktion,
- Zellkommunikation und
- Hautmilieu
gemeinsam zu berücksichtigen.
Wichtig ist jedoch:
Epigenetische Kosmetik behandelt keine Neurodermitis.
Sie kann Bestandteil eines kosmetischen Pflegekonzeptes sein, das eine stabile Haut unterstützt.
Eine medizinische Wirkung auf die Erkrankung selbst verspreche ich nicht.
BIODROGA Medical Institute als ergänzende Option
Auch innerhalb der BIODROGA Medical Institute Pflege stehen mir interessante Produkte für sensible und barrieregestörte Haut zur Verfügung.
Dabei kann je nach Hautzustand beispielsweise zwischen stärker:
- beruhigenden,
- hydratisierenden,
- lipidreichen oder
- barrierestabilisierenden
Pflegekomponenten gewählt werden.
CBD Complex – beruhigende Pflegeoption
Das von mir eingesetzte 3 % CBD Complex Serum kann bei entsprechend stabiler und geschlossener Haut eine interessante kosmetische Pflegeoption darstellen.
Dabei steht für mich nicht eine Behandlung der Neurodermitis im Vordergrund.
Vielmehr nutze ich CBD beziehungsweise die Gesamtformulierung aufgrund ihrer Eigenschaften innerhalb einer beruhigenden, feuchtigkeitsspendenden und regenerationsorientierten Pflegestrategie.
Auch hier gilt:
Verträglichkeit geht vor Wirkstofftheorie.
Hyper Sensitive – wenn die Haut mehr Lipide benötigt
Bei einer stärker lipidarmen und trockenen Haut kann eine reichhaltigere Pflege sinnvoller sein.
Produkte aus dem Hyper-Sensitive-Bereich von BIODROGA Medical Institute können beispielsweise Komponenten wie:
- Ceramide,
- Squalan,
- Sheabutter,
- Avocadoöl,
- Nachtkerzenöl und
- Panthenol
beinhalten.
Gerade eine ausreichende Lipidversorgung besitzt für viele Menschen mit trockener atopischer Haut einen wichtigen Stellenwert.
Craith Lab oder BIODROGA?
Diese Entscheidung treffe ich nicht nach Markenpräferenz.
Meine Frage lautet:
Was benötigt diese Haut?
Eine relativ stabile, empfindliche Haut kann beispielsweise von einer mikrobiomorientierten Pflege profitieren.
Eine stark trockene und lipidarme Haut benötigt möglicherweise eine reichhaltigere Barrierestrategie.
Bei anderen Hautzuständen kann eine Kombination ausgewählter Produkte sinnvoll sein.
Deshalb kann eine individuelle Pflegeempfehlung auch Produkte verschiedener Linien miteinander kombinieren.
Kaltplasma
Kaltatmosphärisches Plasma wird wissenschaftlich im Zusammenhang mit unterschiedlichen dermatologischen Fragestellungen untersucht.
Dazu gehört auch Forschung bei atopischer Dermatitis.
Aus solchen Untersuchungen lässt sich jedoch nicht automatisch eine Behandlungsempfehlung für jedes Kaltplasmagerät ableiten.
Plasmaquelle, Leistung, Dosis und technische Parameter können sich erheblich unterscheiden.
Deshalb bewerbe ich Kaltplasma derzeit nicht als Neurodermitistherapie.
Ein Einsatz müsste immer im Rahmen der Gerätezulassung, des konkreten Hautzustandes und gegebenenfalls in Abstimmung mit dem behandelnden Dermatologen bewertet werden.
Wie häufig kann eine kosmetische Begleitbehandlung sinnvoll sein?
Bei stabiler, schubfreier Haut kann beispielsweise zunächst ein Abstand von ungefähr:
3 bis 4 Wochen
sinnvoll sein.
Wenn die Haut langfristig stabil ist, können die Abstände später beispielsweise auf:
4 bis 6 Wochen
verlängert werden.
Das ist jedoch kein starres Behandlungsschema.
Entscheidend ist der individuelle Hautzustand.
Heimpflege ist wichtiger als die Kabinenhäufigkeit
Eine professionelle Behandlung findet vielleicht einmal alle drei oder vier Wochen statt.
Die Heimpflege findet dagegen:
morgens und abends – jeden Tag
statt.
Deshalb besitzt eine konsequente und gut verträgliche Heimpflegeroutine bei atopischer Haut einen besonders hohen Stellenwert.
Eine mögliche Heimpflegeroutine außerhalb eines Schubes
Die konkrete Auswahl erfolgt individuell.
Eine Routine kann grundsätzlich sehr übersichtlich aufgebaut sein.
Morgens
Sehr milde Reinigung
Nur so intensiv, wie es tatsächlich erforderlich ist.
Sehr trockene Haut muss morgens nicht zwangsläufig intensiv mit einem Reinigungsprodukt gewaschen werden.
Beruhigende beziehungsweise hydratisierende Pflege
Je nach individuellem Hautzustand kann ein entsprechendes Serum verwendet werden.
Barriereschützende Creme
Die Textur wird an Feuchtigkeits- und Lipidbedarf angepasst.
Sonnenschutz
Bei entsprechender UV-Exposition sollte ein individuell gut verträglicher Sonnenschutz eingesetzt werden.
Abends
Schonende Reinigung
Sonnenschutz, Make-up, Schmutz und Schweiß werden entfernt, ohne die Haut unnötig zu entfetten.
Gezieltes Serum
Nur wenn es tatsächlich benötigt und gut vertragen wird.
Barrierestabilisierende Pflege
Je stärker Trockenheit und Lipidmangel ausgeprägt sind, desto wichtiger kann eine ausreichend reichhaltige Abschlusspflege sein.
Was ich bei Neurodermitis nicht empfehle
Ständige Produktwechsel
Empfindliche Haut profitiert häufig stärker von einer konstanten gut verträglichen Routine als vom permanenten Testen neuer Wirkstoffe.
Zu viele Wirkstoffe gleichzeitig
Mehr Wirkstoffe bedeuten nicht automatisch bessere Haut.
Übermäßige Reinigung
Atopische Haut muss nicht möglichst stark entfettet werden.
Aggressive Peelings
Schuppige Haut ist nicht automatisch peelbedürftig.
Brennen als Wirkungsnachweis
Ein Produkt muss nicht brennen, um zu wirken.
Insbesondere bei atopischer Haut ist deutliches Brennen eher ein Signal, die Verträglichkeit kritisch zu prüfen.
Eigenmächtiges Absetzen ärztlicher Medikamente
Kosmetik ersetzt keine ärztlich verordnete Behandlung.
Änderungen einer medizinischen Therapie gehören ausschließlich in die Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Zusammenarbeit mit Ihrer dermatologischen Praxis
Eine gute dermatologische Therapie und eine professionelle kosmetische Begleitung müssen keine Gegensätze sein.
Im Gegenteil.
Bei entsprechendem Bedarf kann eine abgestimmte Vorgehensweise besonders sinnvoll sein.
Der Dermatologe beziehungsweise die Dermatologin übernimmt:
- Diagnose,
- medizinische Verlaufskontrolle,
- medizinische Therapie und
- Arzneimittelbehandlung.
Meine kosmetische Arbeit konzentriert sich ergänzend auf:
- professionelle kosmetische Hautanalyse,
- Hautpflege,
- Hautbarriere,
- Feuchtigkeit,
- Lipidversorgung,
- Produktverträglichkeit,
- geeignete Heimpflege und
- begleitende Pflege während stabiler Phasen.
Wenn Ihr Dermatologe bestimmte Vorgaben für die Pflege macht oder einzelne Wirkstoffe beziehungsweise Behandlungsmethoden ausschließt, berücksichtige ich diese selbstverständlich bei meiner kosmetischen Planung.
Medizinischer Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information über kosmetische Hautpflege und ersetzen keine ärztliche Beratung, Untersuchung, Diagnose oder Therapie.
Neurodermitis beziehungsweise atopische Dermatitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung.
Bei WUNDERBAREHAUT.DE werden keine medizinischen Diagnosen gestellt und keine Erkrankungen behandelt.
Voraussetzung für eine gezielte kosmetische Begleitung einer bekannten Neurodermitis ist eine vorausgegangene ärztliche Diagnose.
Bei akuten, ausgeprägten, sich verschlechternden oder unklaren Hautveränderungen sowie bei Verdacht auf eine Infektion ist eine ärztliche beziehungsweise dermatologische Abklärung erforderlich.
Eine ärztlich verordnete Therapie wird durch kosmetische Maßnahmen weder ersetzt noch ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt verändert.